1. Liebe Orchideenfreunde

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Orchi-Packs - auch für Fensterbänkler

Dieses Thema im Forum "Fragen zur Pflege" wurde erstellt von Helmut, 21. November 2006.

Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
  1. Helmut

    Helmut Guest

    Hallo liebe Orchideenfreunde,

    Als langjähriger User des Orchideenforums und Orchideensammler ist mir im Laufe der Zeit aufgefallen, dass mit gewisser Regelmäßigkeit von neuen Forumsmitgliedern immer wieder ähnliche Fragen gestellt werden.

    In Absprache mit Joe möchte ich meine Erfahrungen, die ich Laufe der Jahre mit der Kultur von Sämlingen aus Flaschen oder Orchi-Packs unter nicht ganz so idealen Bedingungen (außerhalb eines Gewächshauses) auf der Fensterbank gesammelt habe, einmal aufschreiben und mit Bildern veranschaulichen. Vielleicht sind für den einen oder anderen Interessierten nützliche Tipps dabei, die helfen können, negative Erfahrungen die ich auch zur Genüge gemacht habe, zu vermeiden.

    Ich habe vor, den Beitrag in unregelmäßigen Abständen zu ergänzen. Mit Joe habe ich vereinbart, dass der Beitrag nach meinem Posting geschlossen wird. Diskussionen und weitere Anregungen zu dem Thema sollen in einen zweiten, separaten Thread erfolgen.

    Die Entwicklung der Orchideenleidenschaft wird sich bei vielen nach dem selben Muster abgespielt haben:
    · Man kauft eine blühende Orchidee (Hybride) im Garten-Center oder Baumarkt.
    · Man findet gefallen daran und es werden im Laufe der Zeit mehr.
    · Man kauft verschiedene Arten und stellt fest, dass die einen besser gedeihen, die anderen bei den angebotenen Kulturbedingungen dem Anschein nach mehr rückwärts wachsen.
    · Man kauft das erste Orchideen-Buch und liest über die unterschiedlichen Kulturbedingungen der einzelnen Arten und sieht gleichzeitig wieder neue tolle Blüten, die einen begeistern und die man ebenfalls haben muss.
    · Man stellt fest, dass bestimmte Arten besonders gut mit dem angeboten Umfeld zurecht kommen.
    · Man findet einen Orchideenzüchter bei dem man eine schöne Pflanze ersteht, die sogar einen eigenen Namen trägt!
    · Man lernt, dass es nicht nur Hybriden mit einem Namen, sondern auch Naturformen gibt, die man hierzulande sogar kaufen kann!
    · Das Interesse steigt weiter und man kauft das erste Fachbuch zu einer bestimmten Orchideenart und die Infektion mit dem Orchideenvirus schreitet immer weiter voran.
    · Man stellt fest, dass es auch bei einer bestimmten Orchideengattung verschiedene Arten gibt, die sehr unterschiedliche Kulturbedingungen erfordern.
    · Man lernt, dass es von einzelnen Arten auch noch unterschiedliche (Farb-) Varianten gibt, wie „var. coerulea“, „var. alba“ etc. um nur einige zu nennen.
    · Man stellt fest, dass es Orchideenzüchter gibt, die Jungpflanzen von gesuchten Pflanzen anbieten, die zudem noch günstiger sind als große blühfähige Pflanzen.
    · Es werden sogar Sämlinge als Flaschenware oder Orchi-Packs in Vitro angeboten.
    · Man versucht seine erste „eigene“ Kreuzung und zieht die Sämlinge auf und bringt sie hoffentlich auch zum blühen.
    · Erste Erfolge bei der Bestäubung einer Blüte beflügeln einen weiter, man denkt darüber nach, lange gesuchte Wunschpflanzen (Hybriden), die in Europa nicht erhältlich sind, selbst zu kreuzen, da die Elternpflanzen bekannt und als blühfähige Pflanzen erhältlich, oder gar schon in der eigenen Sammlung vorhanden sind.
    · Und noch immer ist kein Gewächshaus in Sicht, wohin nur mit den vielen Jungpflanzen?

    Jeder wird sich bestimmt in einem der genannten Stadien wiederfinden oder wiedererkennen.
    Durch das Internet ist heutzutage alles viel schnelllebiger geworden und der zeitliche Ablauf der dargestellten Entwicklung beschleunigt sich daher enorm. Wozu noch ein Buch kaufen, das Web bietet doch alles notwendige? So schnell wandelt sich der Umgang mit den Medien binnen weniger Jahre.

    Ich habe mich nach meinen örtlichen Voraussetzungen und meinen persönlichen Vorlieben im Laufe der Zeit ausschließlich auf zwei Gattungen beschränkt und kann daher meine Erfahrungen und Beobachtungen nur für die Gattungen Phalaenopsis und Cattleya niederschreiben. Wie weit die Erfahrungen auf andere Arten Anwendung finden können entzieht sich mangels eigener Anschauung meiner Kenntnis.

    Das wichtigste, das man bei Aufzucht von Sämlingen mitbringen muss ist G e d u l d !!
    So braucht es bei einer Phalaenopsis unter idealen Bedingungen von der Bestäubung bis zur ersten Blüte vier bis fünf Jahre. Bei Kultur unter den weniger idealen Voraussetzungen auf der Fensterbank muss man mindestens ein Jahr mehr einkalkulieren.
    Bei Cattleyen muss bis zur Blühstärke mindestens noch zwei weitere Jahre einplanen.

    Sämlinge in Vitro werden von einigen Orchideenzuchten in verschiedenen Gebinden angeboten. Auch bei eBay finden sich hin und wieder entsprechende Angebote.
    Verschiedene Labors bieten für Hobby-Züchter einen Aussaatservice an und liefern die Sämlinge in Normpacks oder Glaskolben. (Das Taschentuchpäckchen wurde jeweils zur Darstellung der Größenverhältnisse daneben gelegt)

    Orchi-Pack mit meist 4 Pflänzchen
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    Normpack mit ca. 25 Pflänzchen
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    Flasche mit ca. 20 Pflänzchen
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    Marmeladeglas als Behältnis aus einer eBay-Auktion mit ca. 15 Pflänzchen
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    Beutel mit ca. 30 Sämlingen, für den Versand aus Übersee wurden sie der Flasche entnommen und in einem Gel verschickt
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    Wie man mit einem Orchi-Pack oder einer Flasche mit Sämlingen nach dem Erwerb weiter verfährt, hängt u. a. auch davon ob man die Flasche persönlich beim Züchter, oder auf einer Ausstellung gekauft hat, oder ob man sie per Versand geliefert bekommen hat.
    Durch den Versand werden die Pflänzchen mit dem Nährboden häufig sehr stark durchgeschüttelt. Die meisten Versender empfehlen daher, die Sämlinge umgehend nach Erhalt auszupikieren.
    Als Neuling versucht man sich natürlich an die Empfehlungen eines Profis zu halten um keine vorzeitigen Verluste zu erleiden. Doch auch die Empfehlungen der Profis sind nicht immer die Ideallösung. Ein sehr wichtiger Faktor für den richtigen Zeitpunkt des Auspikierens ist nach meinen Erfahrungen jedoch die Größe der Sämlinge. Sollten die Sämlinge noch zu klein sein, so ist sehr schwierig sie durchzubekommen.
    Die Größe der Sämlinge kann je nach Lieferant sehr stark differieren und Größenangaben sind immer subjektive Angaben des jeweiligen Verkäufers. Das Beste ist immer noch die Flaschenware persönlich anzuschauen und auszuwählen, was zum Beispiel bei Besuchen in Orchideengärtnereien oder auf Ausstellungen möglich ist. Die Selbstauswahl der Pflanzen ist die beste Lösung des Kaufes. Es lohnt hierbei auch die einzelnen angebotenen Orchi-Packs oder Flaschen zu vergleichen. Bei Flaschenware ist die Größe der Sämlinge schon durch die größere Anzahl der Pflanzen sehr unterschiedlich. Bei Orchi-Packs mit 4 Pflänzchen kann dies auch sein, doch würde ich hier einen Orchi-Pack mit annähernd gleich großen Sämlingen vorziehen, da diese dann wesentlich besser gemeinsam zu kultivieren sind.

    Zu Beginn meiner Orchideenkarriere habe ich bei meinen ersten gekauften Orchi-Packs vor lauter Übereifer die Pflänzchen sofort nach dem Erwerb auspikiert. Man will ja nichts versäumen und so schnell wie möglich heranwachsende und blühende Pflanzen sehen. Dieser Übereifer hatte jedoch eine Verlustquote von über 50% der Pflanzen zur Folge.
    Das Auspikieren in feines Rindensubstrat, ohne jeden weiteren Schutz war wohl zu viel für die Kleinen. Die Umstellung von der sterilen Flasche auf den Topf mit Substrat auf der Fensterbank hat ihnen nicht gut getan.

    Mittlerweile lasse ich alle Sämlinge so lange wie möglich im Orchi-Pack oder in der Flasche. Ich pikiere sie erst aus wenn:
    · sie zu groß für die Flasche sind oder
    · an Sämlingen die Blätter braun werden oder
    · das Nährmedium aufgebraucht ist oder
    · das Nährmedium zu schimmeln beginnt

    Auch Flaschenware die ich auf dem Versandwege erhalten habe bleibt bei mir, wenn möglich noch weiter in der Flasche. Ein Australischer Züchter hat mir einmal empfohlen, selbst wenn das Nährmedium und die Pflänzchen vom Transport durcheinander geschüttelt wurden, das Nährmedium bei weiterhin geschlossenem Behältnis vorsichtig nach unten zu schütteln und die Sämlinge weiter so lange wie möglich darin zu lassen. Seitdem ich diesen Rat befolge habe ich kaum mehr Ausfälle nach dem Auspikieren. Es ist eben, wie schon weiter oben erwähnt eine Geduldsfrage.

    Ein Kleingewächshaus wäre natürlich die idealste Lösung zur Aufzucht der Pflänzchen, darin kann man den Sämlingen eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit bieten. Doch dann stellt sich das Platzproblem. Soll ich für einige wenige Pflänzchen in einen Kleingewächshaus auf der Fensterbank die Stellfläche von einigen blühenden Pflanzen zu opfern? Also wird nach weiteren Möglichkeiten gesucht. Irgendwo las ich von aufgeschnittenen Plastikflaschen, bei denen sie Seite aufgeschnitten wird und die Öffnung nach dem Bepflanzen wieder mit einer Folie verschlossen wird. Auch dies war mir noch zu platzverschwenderisch auf meinen Fensterbänken. Aber die Sache mit den Plastikflaschen beschäftigte mich weiter und in der Zukunft betrachtete ich Plastikgetränkeflaschen mit ganz anderen Augen. Ideal wäre es, eine Flasche zu finden, die man platzsparend aufrecht stehend als Mini-Gewächshaus verwenden könnte. Dann sollte noch die Möglichkeit bestehen, auf einfache Weise die Pflänzchen in die Flasche zu verpflanzen und das Ganze wieder einigermaßen dicht verschließen zu können um auch für die notwendige höhere Luftfeuchtigkeit sorgen zu können.

    Fündig wurde ich nach einiger Zeit in einem Supermarkt im benachbarten Frankreich, wo ein Großteil der Getränke in Einwegverpackungen vermarktet wird. Nahezu ideal für meine Vorstellungen erwiesen sich die Volvic-Flaschen mit ihrem quadratischen Grundriß, von denen es im Nachbarland auch noch unterschiedliche Flaschengrößen gibt. Die 1,5l Flasche mit 8cm Seitenlänge und die 2l Flasche mit 9,5cm Seitenlänge. Durch die gleichmäßige Riffelung der Flaschen, kann man die Flaschen an einer beliebigen Stelle horizontal entlang einer der Rillen abschneiden, dadurch die lässt sich die Höhe des wieder aufzusetzenden Teiles variieren (das Gewächshaus wächst praktisch mit den Pflanzen, man braucht hierfür nur von einer anderen Falsche das Oberteil länger abzuschneiden). Auch die Grundfläche ist m. E. ideal für die Aufzucht von 4 Pflänzchen, so dass jeweils der Inhalt eines Orchi-Packs in einer Flasche untergebracht werden kann.
    Das „Volvic-Gewächshaus“ besteht aus drei Teilen, sollte Belüftung erforderlich sein, nimmt man einfach den Schraubdeckel ab.

    Dreiteiliges „Volvic-Gewächshaus“
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    Nach Bepflanzung des unteren Teils konnte das obere Flaschenteil wieder problemlos aufgesetzt werden, wenn man es an den vier Ecken etwas einschneidet.

    Geschlossenes „Volvic-Gewächshaus“
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    In den unteren Teil füllte ich als Drainage 3 – 6 cm Seramis, dessen Gewicht gleichzeitig für eine gute Standfestigkeit sorgt. Darüber kommt das Pflanzsubstrat.

    Vier Beispiele für die Variabilität eines „Volvic-Gewächshauses“
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    Nun stellte sich mir die Frage nach dem für meine Verhältnisse besten Pflanzmedium. Auch hierzu machte ich einige Versuche und unterschiedliche Erfahrungen.
    Ich besorgte mir zunächst Manfred Meyers Pikiersubstrat, das sehr fein ist und etwa zu einen Drittel aus feinen Styropormehl besteht. Die weiteren Bestandteile sind feine Kohle und Torffasern.

    MM Pikiersubstrat
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    Die ersten Pflänzchen, die ich in dieses Medium auspikierte waren Cattleya-Sämlinge.
    Es folgten im Laufe der Zeit auch Phalaenopsis-Sämlinge. Die Pflänzchen wuchsen im Vergleich zu den später ausprobierten Substraten relativ langsam. Dieses Substrat hat in meinen Augen auch den Nachteil, dass es im Laufe der Zeit, selbst wenn es regelmäßig feucht gehalten wird, sehr fest und dicht wird, und daher man meinen Einschätzungen dem Wurzelwachstum nicht gerade zu Gute kommt.

    Cattleya-Sämlinge auf MM-Pikiersubstrat
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    Immer noch von der Ungeduld gedrängt suchte ich nach weiteren Pflanzmedien für die Flaschenkinder. In verschieden Publikationen las ich, dass reines Sphagnum-Moos u. a. für die Wurzelbildung bei angeschlagenen Pflanzen förderlich sein. Ein gesundes Wurzelwachstum würde den Sämlingen bestimmt auch nicht schaden.
    Auf der Suche nach Sphagnum fand ich bei einem Händler gepresste Stücke von kleingehäckseltem Neuseeland Sphagnum-Moos. Nach Wasserzugabe quollen das Sphagnum auf und ergab ein feines weiches Pflanzmedium, das ich in ersten Versuchen in einer Stärke von ca. 2 cm auf das MM-Pikiersubstrat aufbrachte und darin die neuen Sämlinge einpflanzte.

    Fein gehacktes Sphagnum-Moos, gepresst und lose
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    Auf diesem Medium wuchsen die Sämlinge deutlich schneller, als im reinen MM-Pikiersubstrat.

    „Volvic-Gewächshaus“ mit Seramis – MM-Pikiersubstrat – Sphagnum
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    Getrocknetes Sphagnum (links) und klein gehacktes Sphagnum (rechts)
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    Wie ich feststellen konnte, wuchsen die Wurzeln der Sämlinge bis tief in die Saramis-Drainageschicht hinein. Seit Aufbrauch des Vorrates an MM-Pikiersubstrat pflanze ich meine Sämlinge nun ausschließlich in eine ca. 3cm hohe Sphagnum Schicht, die auf einer Seramisdrainage liegt. Das fein gehäckselte Sphagnum-Moos eignet sich hierzu besser als die ebenfalls erhältlichen ganzen Sphagnumfasern, da es viel länger feucht bleibt.

    „Volvic-Gewächshaus“ mit Seramis – Sphagnum
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    Gleichzeitig habe ich noch einige kräftigere Phalaenopsis-Sämlinge auf feines Rindensubstrat auspikiert. Auch zeigte sich, dass das Wachstum dieser Pflanzen deutlich hinter dem der in Sphagnum-Moos gepflanzten Sämlinge zurück blieb.

    Phalaenopsis-Sämlinge in feinem Rindensubstrat
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    Das nächste Bild zeigt, dass man sobald die Pflänzchen eine bestimmte Größe erreicht haben, den Deckel weg lassen kann und die Jungpflanze in diesem Gefäß noch einige Zeit weiter kultivieren kann, bis sie zum ersten Mal einzeln in einen Topf verpflanzt werden.

    Zwei Phal. aphrodite ca. ein Jahr nach der Entnahme aus dem Orchi-Pack
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    Angeregt durch verschiedene Beiträge zur Kultur in Semi-Hydro hier im Forum und weiteren Fachartikeln hierzu im Internet, habe ich im August 2006 einen weiteren Versuch gestartet, Sämlinge aus der Flasche parallel in Sphagnum und als S/H-Kultur in reinem Seramis zu kultivieren. Nach nunmehr drei Monaten kann ich keine markanten Wachstumsunterschiede bei den einzelnen Pflanzen feststellen. Blatt- und Wurzelwachstum sind bisher bei beiden Kulturformen nahezu gleich.

    Phalaenopsis bellina Jungpflanzen in Sphagnum
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    Phalaenopsis bellina Jungpflanzen in Seramis
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    Im Laufe der Zeit füllten sich einige Flaschen mit Sämlingen uns es führte auch hier zu dem allseits bekannten Platzproblem. Um die Flaschen besser transportieren und aufbewahren zu können stellte ich sie in einen passenden Korb. So war es mir schnell und einfach möglich, die umzustellen. Im Sommer stelle ich den Korb tagsüber an einen hellen und warmen Ort auf der Terrasse, jedoch ohne direkte Sonneneinstrahlung, was den Pflänzchen sehr gut bekommt.

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    Kleinere und empfindlichere Pflänzchen, die es für eine gute Entwicklung noch etwas wärmer brauchen, stelle in während der kalten Jahreszeit in einem kleineren Korb im Bad auf die Heizung, wobei ich eine Korkplatte unter den Korb lege um die Temperatur in den Flaschen nicht zu weit ansteigen zu lassen.

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    Angespornt von den Erfolgen wurde ich im Laufe der Zeit mutiger und bestellte dann auch schon mal Flaschenware aus den Herkunftsländern der Naturformen. Die war meist dann der Fall, wenn Arten oder Varietäten zu bekommen waren, die hierzulande kaum oder überhaupt nicht angeboten werden. Dabei muss man jedoch, was den Inhalt der Flaschen anbetrifft, auf einiges vorbereitet sein. Da man den Inhalt der Flaschen nicht persönlich in Augenschein nehmen kann, können die enthaltenen Sämlinge unterschiedlich groß sein, wie schon weiter oben beschrieben. Auch die Anzahl der enthalten Pflänzchen in einer Flasche kann sehr unterschiedlich sein.
    Manche selteneren Arten gibt es auch in kleineren Stückzahlen (3 – 5 Pflanzen) als Flaschenware.
    Für die Aufzucht des Inhalts ganzer Flaschen mit 30 – 50 Sämlingen eignet sich die Methode mit den Volvic-Flaschen nur noch bedingt, da man zu viele einzelne Flaschen benötigen würde. Hierfür sind im Fachhandel erhältlichen Kleingewächshäuser besser geeignet.
    Als Pflanzmedium wählte ich die bewährte Methode aus Seramis-Drainageschicht und feinem Sphagnum-Moos.

    Zum Abschluss noch ein paar Bilder um das zuletzt gesagte zu veranschaulichen.

    Phal. violacea var. alba Sämlinge, auspikiert unmittelbar nach Erhalt aus Borneo (in den rechten 2/3 der Fläche) und Phal. bellina Sämlinge aus der selben Lieferung (im linken Drittel der Fläche) - diese Pflänzchen waren deutlich größer als die Phal. violacea var. alba.

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    Dieses Bild zeigt das selbe Kleingewächshaus 6 Monate später. Im rechten Drittel die Phal. bellinas, die sich schon sehr schön entwickelt haben.

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    Phal. violacea var. mentawai Sämlinge kurz nach dem Auspikieren (aus einer anderen Quelle)

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    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 9. Januar 2011
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  2. Helmut

    Helmut Guest

    Fortsetzung_1

    Seit meinem ersten Teil ist nun doch schon mehr Zeit vergangen als ich mir eigentlich bis zu einer Fortsetzung vorgenommen hatte. Zwischenzeitlich gab es doch recht viel Resonanz auf meinen Beitrag und wie sich in verschiedenen Forumsbeiträgen wiederspiegelt haben sich viele Orchideenfreunde neu an Flaschenkinder herangetraut.

    Ich möchte an dieser Stelle nochmals einige Fakten zusammenfassen, die immer wieder in den zahlreichen Beiträgen als Fragen aufgeworfen worden sind.

    Bevor man sich an die ersten Sämlinge herantraut, sollte man sich damit auseinandersetzen, welche Materialen zur Aufzucht von kleinen Sämlingen aus Flaschen oder Orchi-Packs notwendig sind. Diese Materialien sollten selbstverständlich auch griffbereit sein, wenn man seine erste Flaschenware erworben hat und die Lieferung auf dem Tisch liegt.
    Genauso wichtig ist es in meinen Augen, dass man sich schon vorab mit den Kulturbedingungen der einzelnen Arten auseinandersetzt. Sollte man den Sämlingen und auch den größer werdenden Jungpflanzen nicht die nötigen Voraussetzungen bieten können, sollte man lieber die Finger von der einen oder anderen Art lassen. Auch sollte man zumindest ein wenig Erfahrung in der Aufzucht von Jungpflanzen haben. Denn auch bei der Anzucht von Jungpflanzen kann sehr viel falsch gemacht werden und viele beim Händler erworbene Jungpflanzen erreichen leider nie das Stadium einer blühfähigen Pflanze.

    Ich bin für mich im Laufe der Jahre zu dem Schluss gekommen, dass bei meinen hiesigen Verhältnissen die Art Phalaenopsis am besten zu kultivieren lässt, weshalb sich meine langjährigen Erfahrungen auch hauptsächlich auf diese Art und ihre Hybriden beschränken.

    Natürlich hatte ich mich im Laufe der Jahre an einigen weiteren Arten wie Cattleya, Laelia und Schomburgkia versucht, jedoch mit sehr bescheidenen Erfolgen über die ich natürlich auch noch berichten werde.
    Ich möchte hier lediglich meine persönlich gesammelten Erfahrungen im Umgang mit Sämlingen aus Flaschen oder Orchi-Packs weitergeben. Meine Ausführungen, die ich soweit möglich auch mit Bildern zu belegen versuche, sollen nicht bedeuten dass dies der Weisheit letzter Schluss sein soll.

    Ich möchte oder muss auch ein wenig auf die Euphorie-Bremse treten, denn eine neue Wurzel oder ein neues Blatt heißt noch lange nicht, dass das Pflänzchen über den Berg ist. Es gibt (leider) noch sehr viele Unwägbarkeiten bis man sagen kann „Dieser Sämling oder die Jungpflanze hat es geschafft!“ Jeder möge aber nach seinen Verhältnissen versuchen den Pflänzchen eine Überlebenschance zu bieten.

    Eines der größeren Probleme scheint mir Schimmelbildung nach dem Ausflaschen zu sein. Diese Schimmelbildung kann in meinen Augen nur davon herrühren, dass das Nährmedium nicht sorgfältig genug entfernt worden ist. Ich wasche die Sämlinge immer unter laufendem lauwarmen Wasser ab. Mögliche Nährbodenreste zwischen den Wurzeln versuche ich vorsichtig mit einer alten Zahnbürste zu entfernen.
    Ich habe noch nie irgendwelche chemische Mittel, wie das häufig genannte Chinosol oder diverse Pilzmittel bei der Anzucht von Sämlingen verwendet. Bei sorgfältigem Arbeiten sind diese Mittel völlig entbehrlich. Auch die Verwendung von Zimt o. ä. halte ich nicht für notwendig. Braune oder angefaulte Pflanzenteile oder Wurzeln schneide ich einfach mit einer Schere ab.

    Einen wichtigen Einfluss auf die Überlebenschancen der Sämlinge hat deren Größe zum Zeitpunkt der Entnahme aus der Flasche. Ich vertrete auch weiterhin den Standpunkt, die Sämlinge so lange wie möglich in der Flasche oder dem Orchi-Pack zu belassen.

    Hier einige Beispiele dafür:

    Die Sämlinge der Phalaenopsis bellina var. alba aus dem ersten Teil des Beitrages befinden sind auch noch im September 2007 in der Flasche und es hat ihnen bisher nicht geschadet.

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    Die Blätter und die Wurzeln sind schön weitergewachsen.

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    Im Vergleich zu den vor einem Jahr auf Sphagnum ausgepflanzten Geschwistern zeigen sich auch kaum Größenunterschiede.

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    Ein im September 2006 gekaufter Orchi-Pack mit vier Phal. philippinensis aufgenommen am 25. Februar 2007

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    Der selbe Orchi-Pack am 19. April 2007

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    Der Orchi-Pack wurde am 01. Mai 2007 geöffnet und 5 Sämlinge in eine Volvic-Flasche auf Sphagnum auspikiert, da ein Pflänzchen braune Blätter bekam.

    Am 2. September 2007 sind noch 3 gesunde Pflänzchen übrig, bei der hinteren Pflanze hat das linke Blatt bereits eine Länge von 12,5 cm, das neueste, seit 12. August 2007 sichtbare und auf dem Bild nach rechts wachsende Blatt dieser Pflanze hat bereits eine Länge von 3,5 cm. Das Oberteil der nach wie vor verschlossenen Flasche wurde lediglich zum Fotografieren abgenommen. Selbst bei ganzem Sphagnum als Pflanzmedium zeigte sich keine Schimmelbildung.

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    Hier noch ein Bild eines Gewirres von vier Phalaenopsis Sämlingen direkt nach der Entnahme aus dem Orchi-Pack.

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    Das Schimmelproblem dürfte wohl auch sehr mit dem verwendeten Pflanzmedium und dessen Fähigkeit der Speicherung der Feuchtigkeit, oder dessen Eigenschaft zum mehr oder minder raschem Abtrocknen zusammenhängen. Ein rascheres Abtrocknen des Pflanzstoffes kann man natürlich durch entsprechendes Lüften erreichen. Das Lüften steht jedoch auch wieder dem best möglichen Wachstumsfortschritt in gespannter Atmosphäre entgegen. Die Dauer und der Umfang der Belüftung hängt daher sehr stark vom Standort und den Umgebungsbedingungen ab und muss jeweils im Einzelfall ausgelotet werden.

    Wie schon erwähnt wachsen die Sämlinge am besten in warmer Umgebung mit hoher Luftfeuchtigkeit. Wer schon einmal in einer Orchideengärtnerei in einem Jungpflanzenhaus war, weiß wovon ich spreche. Ein andauerndes Lüften wirkt natürlich diesem gewünschten Treibhauseffekt entgegen. Auch sollten die Sämlinge keinen dauernd wechselnden Bedingungen ausgesetzt werden. Besonders beim Lüften über Nacht kühlt die umgebende Luft stärker ab, dies kann m. E. einer kontinuierlichen Entwicklung der Pflanzen nicht unbedingt förderlich sein. Es mag natürlich Orchideenarten geben, die eine starke Luftzirkulation benötigen, Phalaenopsis gehört jedoch nicht dazu.

    Ich lasse meine Kleingewächshäuser oder Volvic-Flaschen immer geschlossen. Frühestens nach einigen Monaten, wenn die Blätter der Pflanzen ausgehärtet (fest) sind bleibt an den Volvic-Flaschen der Schraubverschluss offen. Normalerweise öffne ich die Volvic-Flaschen höchstens alle 14 Tage zum Besprühen des Pflanzmediums. Dabei achte ich darauf, dass keine Feuchtigkeit in den Herzen der Sämlinge stehen bleibt. Gedüngt werden meine Sämlinge in den ersten Monaten überhaupt nicht. Bei den Kleingewächshäusern kann es gut vorkommen, dass nur alle vier Wochen ein Besprühen notwendig ist. In der Zwischenzeit bleiben bei mir alle Lüftungsschlitze geschlossen.

    Um ein kontinuierliches Wachstum zu gewährleisten, sollte der Standort der Pflanzen möglichst nicht verändert werden. Es kann bedingt durch Standortwechsel zu einem Wachstumsstillstand kommen, bis sich die Pflanzen an die neuen Verhältnisse gewöhnt haben. Ich habe aus diesem Grund die Unterteile meiner Flaschen mit einer Markierung versehen, damit sie immer wieder mit der gleichen Seite zum Licht (Fenster) hin aufgestellt werden.

    Die besten Erfahrungen unter Abwägung aller Kriterien habe ich mit der Aufzucht in gehäckseltem Sphagnum gemacht. Das Medium trocknet langsam ab und zeigte bei mir auch bei wochenlang geschlossenen Behältnis keine Schimmelbildung. Auch der Wachstumsfortschritt war bei mir in diesem Medium mit am besten. Bei dieser Form hat das Sphagnum wiederholt neu ausgetrieben, so dass ich auf diese Wiese zu lebendem Sphagnum kam.

    Lebendes Sphagnum, das aus gehäckseltem Sphagnum wieder ausgetrieben hat. Die Sämlinge befinden sich seit knapp einem Jahr in dieser Flasche.

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    Wie man auf diesem Bild erkennen kann sind die Wurzeln durch die Sphagnumschicht bis in das Seramis gewachsen.

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    Bei ganzem Sphagnum, das nicht so schnell und gleichmäßig abtrocknet, war der Wachstumsfortschritt nicht so gut wie in dem gehäckselten Sphagnum. Auch die Wurzelbildung war deutlich sichtbar schwächer.

    Bei der Verwendung des Jungpflanzen-Substrates von Meyer, das was die Feuchtigkeit anbetrifft gut zu handhaben ist, bleibt jedoch das Wachstum hinter den in reinem Sphagnum gepflanzten Sämlingen zurück.

    Bei der sofortigen Verwendung von feinem Rindensubstrat habe ich persönlich keine so guten Erfahrungen gemacht.

    Seit August 2006 habe ich parallel Phalaenopsis bellina var. alba Sämlinge in gehäckseltem Sphagnum und in S/H in reines Seramis ausgepflanzt.
    Beim Wachstum der Blätter konnte ich kaum einen Unterschied feststellen. Ich meine aber bei der Kultur in reinem Seramis ein deutlich besseres Wurzelwachstum feststellen zu können.

    Hierzu einige Bilder aus den vergangenen 11 Monaten:

    Am 19.08.2006 auf Sphagnum ausgepflanzt:

    Zustand am 13.10.2006

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    Zustand am 20.02.2007

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    Zustand am 01.09.2007

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    Am 19.08.2006 auf Seramis ausgepflanzt:

    Zustand am 13.10.2006

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    Zustand am 20.02.2007

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    Zustand am 01.09.2007

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    Zum Schluss noch zwei Beispiele zum Wurzelwachstum bei Kultur in reinem Seramis

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  3. Helmut

    Helmut Guest

    Fortsetzung_2

    Und damit es nicht wieder so lange bis zur nächsten Fortsetzung dauert geht es hier gleich weiter.

    In dieser Folge möchte ich einmal aufzeigen auf welchen zeitlichen Ablauf man sich einrichten muss, wenn man seine ‚Babies‘ blühen sehen möchte.
    Ich zeige die Entwicklung am besten am Beispiel einzelner Pflanzen auf, sofern ich Bildmaterial dazu habe.

    Das erste Flaschenkind das bei mir zur Blüte kam war eine Hybride aus Dorits pulcherrima und Doritaenopsis Gerd Röllke.

    Doritis pulcherrima var. coerulea x Doritaenopsis Gerd Röllke:

    Zwei größere Sämlinge wurden am 09.12.2002 auf feines Rindensubstrat in Töpfchen und zwei kleinere Sämlinge wurden in feines Rindensubstrat in eine Volvic-Flasche auspikiert.

    Die beiden kleineren Pflänzchen am 08.06.2003:

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    Eines der beiden kräftigeren Pflänzchen am 08.06.2003:

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    Am 22.02.2005 erblühte als erste Pflanze eine der Größeren mit einer großen reinweißen Blüte. Von der bläulichen Doritis pulcherrima var. coerulea ist nichts übrig geblieben. Insgesamt blühte diese Pflanze mit zwei Blüten. Die Pflanze ging im Herbst 2006 ein.
    Die anderen drei Pflanzen aus dem selben Orchi-Pack haben bis heute noch nicht geblüht.

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    Die gleiche Pflanze aus dem obigen Bild 08.06.2003 am 01.09.2007. Die Pflanze hat zwischenzeitlich eine Blattspanne von 22 cm und dürfte fast blühfähig sein.

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    Phalaenopsis philippinensis:

    Noch in der „Erprobungsphase“ pikierte ich am 09.12.2002 vier Sämlinge auf feines Rindensubstrat. Da die Pflänzchen keine guten Fortschritte machten, pflanzte ich sie am 30.05.2003 auf gehäckseltes Sphagnum in Volvic-Flaschen um.

    Zwei Pflänzchen am 08.06.2003:

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    Anfangs hielt ich das Sphagnum viel zu feucht, so dass sich im Inneren des Oberteils Kondenswasser sammelte, das dann auf die Pflänzchen tropfte. Die braunen Stellen auf den Blättern stammen von solchen Wassertropfen, die Blätter begannen zu faulen. Von diesem ersten Versuch mit Phalaenopsis philippinensis überlebte keines der Pflänzchen.

    Einen zweiten Versuch mit Phalaenopsis philippinensis startete ich um zahlreiche Erfahrungen reicher am 01.05.2007 mit dem Auspikieren von 5 Sämlingen auf ungeteiltes Sphagnum in einer Volvic-Flasche.

    Am 02.09.2007 waren davon noch 3 Pflänzchen übrig, die schon schön zugelegt hatten:

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    Phalaenopsis aphrodite:

    Im März 2005 kaufte ich einen Orchi-Pack, den ich am 19.08.2005 auf gehäckseltes Sphagnum in zwei Volvic-Flaschen auspikieren musste, da das Nährmedium schimmelte.
    Am 17.02.2006 habe ich dann zwei Pflanzen in Töpfchen mir Rindensubstrat verpflanzt, die anderen beiden Pflanzen ließ ich der Volvic-Flasche, wobei ich jedoch das Oberteil weg lassen musste, da die Pflanzen schon recht groß geworden sind.

    Die beiden Pflanzen, die sich weiterhin in Sphagnum befinden am 11.11.2006:

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    Dass sich die einzelnen Pflanzen recht unterschiedlich entwickeln können zeigt dieses Bild vom 01.09.2007 mit 3 Pflanzen aus dem selben Orchi-Pack. Die hintere Pflanze hat eine Blattspanne von 29 cm und dürfte fast blühfähig sein.

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    Phalaenopsis sanderiana:

    Nachdem ich in den Jahren 2003 und 2004 lange Zeit erfolglos nach einer Phalaenopsis sanderiana gesucht habe fand ich in Australien ein Angebot von Sämlingen in Vitro, die ich dann im Juni 2004 bestellte und im April 2005 geliefert bekam. Ich musste die Pflänzchen bereits im Juni 2005 auf gehäckseltes Sphagnum auspikieren, da einige der Sämlinge in der Flasche abzusterben begannen.
    Die Pflanzen entwickelten sich sehr gut, so dass ich sie im Laufe des Jahres 2006 nach und nach in Einzeltöpfe in Rindensubstrat verpflanzen konnte.

    Eine der Pflanzen am 01.09.2007, die vielleicht schon im nächsten Jahr blühen könnte.

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    Phalaenopsis fimbriata:

    Im März 2005 kaufte ich einen Orchi-Pack, den ich am 16.04.2005 auf gehäckseltes Sphagnum in zwei Volvic-Flaschen auspikieren musste, da das Nährmedium schimmelte.
    Im Laufe der Zeit ging mir eine Pflanze ein. Die anderen Pflanzen entwickelten sich gut und wuchsen rasch heran, so dass ich Ende Dezember 2006, wegen der langen Blätter, den Deckel der Volvic-Flaschen offen lassen musste.

    Hier die drei Pflanzen am 20.02.2007.

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    Nachdem die Pflanzen im Frühjahr 2007 im Wachstum stagnierten, habe ich sie Anfang Mai in Einzeltöpfe in Rindensubstrat verpflanzt, worauf sie dann wieder zu wachsen begannen.
    Hier die drei Jungpflanzen – vordere Reihe und hinten rechts – zusammen mit zwei weiteren Jungpflanzen in einem Holzkorb.

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    Phalaenopsis Schilleriano-stuartiano x Phalaenopsis bastianii:

    Im Februar 2005 kaufte ich einen Orchi-Pack, den ich am 15.01.2006 auf gehäckseltes Sphagnum in zwei Volvic-Flaschen auspikierte, da das Nährmedium verbraucht war.
    In dem Orchi-Pack befanden sich insgesamt sieben Pflänzchen in recht unterschiedlichen Größen.

    Hier ein Bild der kleineren Pflänzchen am 20.02.2007

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    Und die Größeren, ebenfalls am 20.02.2007.

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    Hier nochmals ein Vergleich der beiden Flaschen mit den sieben Pflanzen am 01.09.2007. Alle stammen aus dem selben Orchi-Pack und haben sich bei gleicher Pflege sehr unterschiedlich entwickelt.

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    Ende September habe ich nun die drei großen Jungpflanzen in Einzeltöpfe in Rindensubstrat verpflanzt.


    Im Sommer 2004 machte ich meine ersten eigenen Kreuzungsversuche mit unterschiedlichen Erfolgen. Die ersten daraus entstandenen Pflanzen wachsen allmählich heran.

    Phalaenopsis David Lim (gigantea x amboinensis) x Phalaenopsis bellina:

    Hier die Blüten der beiden Original-Elternpflanzen

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    Die Blüte der Phalaenopsis David Lim wurde am 16.08.2004 mit einem Polen der Phalaenopsis bellina bestäubt. Die herangewachsene Kapsel wurde am 04.04.2005 abgenommen und in einem Labor ausgesät. Im September 2006 habe ich dann zwei Norm-Packs mit je ca. 50 Sämlingen erhalten, die ich am 25.09.2006 in en Kleingewächshaus auf gehäckseltes Sphagnum auspikierte.

    Eine Aufnahme des Kleingewächshauses vom 13.10.2006, in der linken Hälfte befinden sich die Phal. David Lim x bellina Pflänzchen.

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    Das geschlossene Kleingewächshaus im Sommer 2007 auf der überdachten relativ hellen Terrasse.

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    Die Pflanzen, wieder in der linken Hälfte, am 15.08.2007

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    Und am 01.09.2007

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    Parallel dazu habe ich schon im Herbst die kräftigsten Pflänzchen gleich in Einzeltöpfe in Rindensubstrat gesetzt, die sich aber überhaupt nicht gut entwickelt haben und zum Teil eingegangen sind. Auch ein Umsetzen in das Kleingewächshaus half bei einigen nichts mehr.

    Mein Fazit aus den Jahren in denen ich mich nun mit den Sämlingen beschäftige ist für meine Verhältnisse auf der Fensterbank ganz klar: Sämlinge kommen erst für eine gewisse Zeit in eine geschützte Atmosphäre, ansonsten wird die Ausfallquote viel zu hoch. Dies habe ich nun schon durch mehrfache, Parallelversuche bestätigt bekommen.
     
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  4. Helmut

    Helmut Guest

    Fortsetzung_3

    Nachdem nun bereits wieder mehr als ein Jahr vergangen ist möchte ich heute wieder einmal mit einem kleinen Update in dieser Rubrik berichten.

    Zum größten Teil möchte einfach die Veränderung der Jungpflanzen seit dem letzten Jahr aufzeigen.

    Zunächst das schon in den vorhergegangenen Beiträgen gezeigte Kleingewächshaus am 06.09.2008. In der linken Hälfte befinden sich Phal. David Lim x Phal. bellina, in der rechten Hälfte Dtps. Kenneth Schubert x Phal. micholitzii.

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    Die größere Phal. aphrodite hat zwischenzeitlich eine Blattspanne von 45 cm und ist blühfähig. Beide Pflanzen wachsen nach nunmehr drei Jahren in dem Sphagnum noch stetig weiter.

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    Phal. philippinensis, welche am 01.05.2007 aus dem Orchi-Pack entnommen worden sind.

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    Die größte der Jungpflanzen hat 15 Monate nach der Entnahme aus dem Orchi-Pack bereits eine Blattspanne von 25 cm und wurde heute in Rindensubstrat verpflanzt.

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    Eine weitere eigene Nachzucht: Phal. Corning’s Bell (Phal. bellina x Phal. corningiana).
    Die Blüte der Phal. bellina wurde am 25.07.2004 mit einem Pollen von einer Phal. corningiana bestäubt. Die reife Kapsel wurde am 04.04.2005 abgenommen und in ein Labor zur Aussaat gegeben. Im April 2008 habe ich dann eine Anzahl Gemeinschaftstöpfe aus dieser Aussaat erhalten, welche im September 2007 aus den Flaschen entnommen worden sind. In der linken Hälfte des Kartons sind die Phal. Corning’s Bell mit den hellgrünen Blättern zu sehen.

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    Ich habe einen Teil der Gemeinschaftstöpfe in eine Plastikbox gestellt, auf deren Boden sich eine Schicht Seramis befindet. Zu Beginn hatte ich die Box noch verschlossen gehalten um für ein besseres Kleinklima für die Pflanzen zu sorgen. Gegossen wurde nicht, es wurde lediglich das Seramis feucht gehalten. Die Pflanzen wuchsen sehr schnell heran, so dass bald der Deckel nicht mehr geschlossen werden konnte.

    Zustand im April 2008

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    Zustand der Jungpflanzen Anfang September 2008

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    Viele der Pflanzen haben bereits eine Blattspanne von 20 cm. Hier noch ein Bild eines einzelnen Gemeinschaftstopfes.

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    Im August 2006 hatte ich eine Flasche Phal. bellina var. alba zum Teil in Sphagnum und einen anderen Teil in S/H in Seramis auspikiert. Nach nahezu zwei Jahren musste ich feststellen, dass die in Sphagnum auspikierten Pflanzen nicht mehr so gut weiterwachsen, wie die in S/H gepflanzten Pflanzen. Ähnliches konnte ich auch bei anderen Jungpflanzen beobachten die ich in Flaschen auf Sphagnum kultivierte. Die Pflanzen zeigten über einen längeren Zeitraum kaum mehr Wachstum. Daraufhin habe ich je einen Teil in feines Rindensubstrat und in S/H verpflanzt, wobei nach dem ersten Eindruck die in S/H gesetzten Jungpflanzen sich besser weiterentwickelten.

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    Im Internet hatte ich gesehen, dass bei in S/H auspikierten Jungpflanzen auf das Granulat eine 0,5 starke Schicht Sphagnum gelegt wurde, was ich bei diesen Pflanzen auch einmal versuchen wollte.

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    Phal. violacea f. alba nach 28 Monaten Kultur in Sphagnum

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    Und nach dem Verpflanzen in S/H

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    Bisher konnte ich das sehr unterschiedliche Wachstum an Phalaenopsis Jungpflanzen aufzeigen. Im Vergleich zu manch anderen Arten ist das Wachstum der Phalaenopsis Jungpflanzen noch als schnell zu bezeichnen.

    Eigene Erfahrungen konnte ich mit Cattleya Sämlingen sammeln. Nachfolgend möchte ich einige Bilder von Jungpflanzen zeigen um deren langsamere Entwicklung bei Kultur auf der Fensterbank aufzuzeigen und um zu veranschaulichen auf was man sich hierbei auf der zeitlichen Schiene einlässt.

    Cattleya mendelii, seit November 2005 aus der Flasche

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    Cattleya harrisoniae, seit ca. 4 Jahren aus der Flasche

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    Cattleya percivaliana, seit Oktober 2003 aus der Flasche

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    Cattleya mossiae var. wageneri, seit November 2003 aus der Flasche

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    Cattleya lueddemanniana var. s/a, seit November 2003 aus der Flasche

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    Cattleya warneri var. alba, seit September 2004 aus der Flasche.

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    Mit anderen Arten habe ich persönlich noch keine Erfahrungen gesammelt, doch soll es Arten geben, welche auch häufig als Flaschenware angeboten werden, die noch einige Jahre mehr bis zur Blühreife benötigen.
    Bei Vanda und verwandten Arten kann es schon bei guten Kulturbedingungen bis zu 10 Jahre dauern, bis die Pflanzen Blühstärke erreicht haben. Diese lange Zeitspanne ist auch der Grund, weshalb kaum eine Orchideen-Gärtnerei hier in Deutschland selbst Vanda-Jungpflanzen nachzieht.
    Bevor man sich solche, in meinen Augen problematische Flaschenware zulegt, sollte man sich unbedingt auch über diesen Fakt der Zeitdauer bis zur Blühfähigkeit bewusst sein.
     
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  5. Helmut

    Helmut Guest

    Fortsetzung_4

    Seit meinem letzten Beitrag sind mittlerweile mehr als drei Jahre vergangen und ich habe in dieser Zeit weitere Erfahrungen sammeln dürfen, indem ich aus den in der Vergangenheit gemachten Fehlern weiter hinzugelernt habe. Manche der gemachten Erfahrungen führten zu dauerhaften Änderungen in den Bedingungen unter denen ich meine Sämlinge und Jungpflanzen zwischenzeitlich kultiviere.
    Nachfolgend möchte ich diese Änderungen kurz beschreiben. Diese Schilderung soll oder kann keine Standardlösung darstellen, sondern soll lediglich aufzeigen wie weit ich die von mir beeinflussbaren äußeren Bedingungen verändert habe um ein gutes Ergebnis bei der Entwicklung der Sämlinge zu erreichen. Vielleicht können meine Schilderungen dem einen oder anderen Leser dabei behilflich sein, nicht dieselben Fehler auch zu begehen.

    Kulturmedien:

    Bei dem Kulturmedium bin ich von dem handelsüblichen Jungpflanzensubstrat völlig abgekommen, da das Ergebnis sehr weit hinter dem bei einer Kultur in Sphagnum zurückbleib.

    Auch der Versuch die Sämlinge in Semi-Hydro-Kultur zu kultivieren brachte kein befriedigendes Ergebnis. Zusätzlich besteht bei dieser Kulturform die Gefahr, dass das Kulturmedium sehr schnell versalzt.

    Beste Ergebnisse erzielte ich bei der Kultur in Sphagnum, so dass ich zwischenzeitlich fast alle meine Sämlinge in diesem Medium kultiviere.

    Seit 2009 habe ich auch einige Versuche mit der Anzucht von Sämlingen in Steinwolle unternommen. Das bisherige Ergebnis kommt nahe an die Kultur in Sphagnum heran. Da ich mit der dauerhaften Kultur von adulten Pflanzen in Steinwolle keine besonders guten Erfahrungen gemacht hatte, habe ich lediglich einen kleinen Teil meiner Sämlinge in dieses Medium gesetzt. Wie ich diese Pflanzen später weiterkultivieren werde kann ich noch nicht sagen.

    Hier einmal einige Bilder dieses Mediums, das im Handel zumeist als Basacubes erhältlich ist.

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    Wie in den vorangehenden Beiträgen zu sehen ist, habe ich anfangs die Sämlinge in handelsüblichen Kleingewächshäusern direkt auf Sphagnum auspikiert, das ich auf einer Schicht Seramis-Tongranulat in der Schale des Kleingewächshauses ausgelegt hatte. Der Nachteil dieser Methode zeigte sich beim späteren Verpflanzen der Jungpflanzen in Einzeltöpfe. Die Wurzeln der Sämlinge konnten sich frei in der gesamten Schale entwickeln und waren z. T. recht lang gewachsen, so dass sie kaum ohne Beschädigung in einem Topf unterzubringen waren. Durch diesen Fehler hatte ich damals sehr hohe Ausfälle zu verzeichnen. Als Folge daraus setze ich nun seit Jahren alle Sämlinge sofort in Gemeinschaftstöpfe mit 4 bis 6 Pflanzen um die Wurzeln im Zaum zu halten. Ein späteres erneutes Verpflanzen in größere Gemeinschaftstöpfe, je nach Größe der Pflanzen in Sphagnum oder Rindensubstrat, kann somit ohne Beschädigungen der Wurzeln erfolgen.

    Die Sämlinge lasse ich zumindest zwei Jahre in den ersten Gemeinschaftstöpfen in Sphagnum bevor sie erstmals verpflanzt werden.

    Beispiel für einen solchen Gemeinschaftstopf etwa zwei Jahre nachdem die Sämlinge auspikiert worden sind.

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    Hier der Inhalt eines anderen Gemeinschaftstopfes anlässlich des Verpflanzens in einen größeren Gemeinschaftstopf in Rindensubstrat.

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    Alle hier und in den vorangegangenen Beiträgen aufgezeigten Entwicklungen der Sämlinge erfolgten ohne jegliche Hilfsmittel wie Zusatzbeleuchtung oder Beheizung. Alle Pflanzen wurden bisher in Volvic-Flaschen oder Kleingewächshäusern auf der Fensterbank bzw. im Wohnraum kultiviert. Mir war von vorne herein klar, dass es bei dieser Methode bei einer Phalaenopsis sicherlich zwei Jahre länger bis zur Blühreife dauern dürfte, als bei Freunden die ein Gewächshaus ihr Eigen nennen können.

    Wer sich schon einmal in einem Jungpflanzenhaus einer Orchideengärtnerei aufgehalten hat, weiß welche für eine gute Entwicklung der Pflanzen erforderlichen Voraussetzungen, geschaffen werden sollten. Konstante Wärme mit ebenfalls konstant hoher Luftfeuchtigkeit und Zusatzbeleuchtung lassen Sämlinge und Jungpflanzen gut gedeihen. Solche Voraussetzungen sind jedoch auf der Fensterbank oder im Wohnbereich kaum perfekt zu realisieren, aber man kann zumindest versuchen die Konditionen etwas in diese Richtung zu optimieren.

    Hat man einmal über die Jahre einen schönen und guten Pflanzenbestand zusammengetragen möchte man irgendwann auch mit diesen Pflanzen weiterzüchten. Fast jeder hat in Büchern oder im Internet schon einmal Blütenbilder von Pflanzen gesehen, die man liebend gerne in der eigenen Sammlung haben möchte, die es leider aber nirgendwo zu kaufen gibt. Oder man hat vor Jahren eine schon lange gesuchte Pflanze als Jungpflanze erworben und über Jahre gehegt und gepflegt um dann mit der ersten Blüte eine große Enttäuschung zu erleben, nachdem sich die Pflanze nicht als das herausgestellt, als was man sie einmal gekauft hatte. Leider sind solche Erlebnisse gerade bei gesuchten Pflanzen nicht selten.

    Wenn man sich den Wunsch nach einer lange gesuchten Kreuzung erfüllen möchte und zudem sicher sein möchte, dass man auch das erhält was man schon lange sucht, bleibt oft nur ein Weg übrig, die gesuchte Hybride selbst zu kreuzen. Leider scheitert ein solches Vorhaben aber oft schon daran, dass die dafür erforderlichen Elternpflanzen ebenfalls nicht so einfach zu bekommen sind. War dann die Bestäubung erfolgreich und ist auch die Aussaat im Labor erfolgreich verlaufen, so kann man nach zwei bis drei Jahren auf eine mehr oder weniger große Zahl gut entwickelter Sämlinge hoffen.

    Nachdem ich einige der vorgenannten Stationen erfolgreich durchlaufen hatte stand ich vor etwa einem Jahr vor der Frage: Was tun mit einer größeren Anzahl avisierten Sämlinge?

    Ich musste mir Gedanken machen, wie ich all diese Sämlinge unterbringen könne. Auf den Fensterbänken und den sonstigen Standorten in der Wohnung hatte es nicht genügend Platz für dieses Vorhaben und noch mehr Pflanzen in der Wohnung konnte ich meiner Familie nicht zumuten.

    Ich kam also zu dem Ergebnis in einem Kellerraum ein Regal aufzustellen und es für die Anzucht von Sämlingen umzubauen. Die Größe der Regalböden sollte so bemessen sein, dass darauf drei oder vier der handelsüblichen Kleingewächshäuser Platz finden können, von denen ich schon einige besaß. Ich hatte vor, die Töpfe mit den Sämlingen in den Kleingewächshäusern oder zumindest in deren Unterschalen in das Anzuchtregal zu stellen um es ggf. auch mit wenigen Handgriffen relativ schnell ausräumen zu können. Ich musste mir auch Gedanken über eine Verkleidung des Regales machen um Wärme und Luftfeuchtigkeit zurückzuhalten.

    Ein geeigneter Platz zur Aufstellung war schnell gefunden, gab es doch in der Ecke eines Kellerraumes noch eine ungenutzte Duschwanne mit bis zur Decke gefliesten Wänden, in der ich das Regal aufstellen konnte. Auch eine möglicherweise erhöhte Luftfeuchtigkeit oder gar Tropfwasser würden an diesem Ort keine Probleme bereiten.

    Nach etwas Überlegen und einigen hilfreichen Tipps eines Freundes habe ich mich dann dazu entschlossen ein handelsübliches Foliengewächshaus zu kaufen, das von den Abmessungen genau in die Duschwanne im Keller passt. Dadurch konnte ich mir den aufwändigen Bau einer Verkleidung für das angedachte Regal sparen.
    Als in beleuchtungstechnischen Dingen unbedarfter Anfänger habe ich mich bei der Beleuchtung ebenfalls auf die Tipps eines Freundes vom Fach verlassen und habe für jede der vier Etagen des Foliengewächshauses eine T8 18W Leuchtstofflampe installiert, welche ich jeweils durch Zeitschaltuhren steuere. Die Fassungen stammten aus dem Baumarkt und die Leuchtmittel habe ich gegen Osram Fluora T8 Röhren ausgetauscht.

    Die Materialliste für mein Anzuchtgewächshaus sah folgendermaßen aus:

    1 Foliengewächshaus
    4 T8 Lampenfassungen
    10 m Kabel
    4 Stecker
    4 Osram T8 Fluora Leuchtstoffröhren
    1 Verteilerleiste
    5 Zeitschaltuhren
    1 Heizmatte – die erst etwas später hinzukam

    Die teuersten Einzelpositionen waren die Heizmatte und die Leuchtstoffröhren.

    Nach fertiggestelltem „Rohbau“ sah das Ganze dann so aus:

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    Die Wand links von der Duschwanne ist eine Außenwand, von der bei den im Winter herrschenden Temperaturen sehr stark Kälte abgestrahlt wird, weshalb ich mit einem Brett und einer Isoliermatte für etwas Abhilfe sorgen musste. Über das Foliengewächshaus legte ich noch eine weitere Isoliermatte um die Wärme etwas zurückzuhalten und welche auch noch das Licht reflektiert. Da die Duschwanne fest eingemauert ist strahlt sie in der kalten Jahreszeit ebenfalls Kälte ab, weshalb ich zunächst eine 3 cm Styroporplatte auf den erst Regalboden legte um etwas von dieser abgestrahlten Kälte abzuhalten.

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    Da ich den Kellerraum nicht durchgängig auf Zimmertemperatur beheizen wollte, musste ich zunächst bezüglich der Temperaturen etwas experimentieren. Mangels Erfahrungen mit einer Zusatzbeleuchtung und deren Wärmeentwicklung wollte ich erst einmal den Testbetrieb abwarten. Zunächst ging es mir um die Beobachtung der Temperaturen auf den einzelnen Etagen des Foliengewächshauses, die ich mit vier digitalen Thermometern / Hygrometern maß.

    Bei eingeschalteter Beleuchtung erreichte ich unter den Lampen eine Temperatur zwischen 21 und 22°C. Versuchsweise habe ich Jungpflanzen in Kleingewächshäusern mit Abdeckung in das Foliengewächshaus gestellt. Die Töpfe stehen in den Kleingewächshäusern auf einer feuchten Schicht Seramis-Tongranulat. Bei ausgeschalteten Lampen fiel die Temperatur bis auf 17°C ab, was sicherlich zu wenig für ein ordentliches Wachstum von Sämlingen ist.

    Eine deutliche Verbesserung der Bedingungen konnte ich erzielen, nachdem ich auf die Styroporplatte des untersten Bodens eine Heizmatte (65 x 45 cm) legte, welche in den kühleren Monaten ständig eingeschaltet ist. Die Temperatur im gesamten Gewächshaus liegt somit zwischen 23 und 26°C. In den wärmeren Monaten, etwa von Mai bis September habe ich den Betrieb der Heizmatte auf einen Wechselbetrieb (2 Std. ein / 1 Std. aus) umgestellt und hatte dabei durchgängige Temperaturen zwischen 26 und 30°C.

    Die Luftfeuchtigkeit steuerte ich von Beginn an ausschließlich über die Feuchtigkeit des Seramis-Tongranulates in den Schalen. Seit des Einsatzes der Heizmatte liegt die Luftfeuchtigkeit im Inneren des Foliengewächshauses konstant zwischen 95 und 99%.

    Schon nach kurzer Zeit konnte ich aufgrund der erreichten Bedingungen die Abdeckungen von den Kleingewächshäusern abnehmen, da ein Beibehalten der Abdeckhauben für das verfolgte Ziel kontraproduktiv gewesen wäre und die verbesserten Konditionen von den Pflanzen ferngehalten hätte. Bereits nach vier Wochen Betrieb unter den vorgenannten konstanten Bedingungen konnte ich deutliche Fortschritte bei der Mehrzahl meiner Pflanzen erkennen. Doch weiteres Tüfteln an den von außen beeinflussbaren Bedingungen konnte ich im Laufe der Zeit die Effizienz noch deutlich steigern.

    Anfangs habe ich die 1,5 – 2 cm dicke Tongranulatschicht in den einzelnen Schalen auf allen vier Ebenen gleich feucht gehalten. Auf der untersten Ebene mit der Heizmatte verdunstet natürlich das meiste Wasser. In diesen Schalen fülle ich pro Woche mindestens einen halben Liter Wasser nach. Die Erfahrungen im laufenden Betrieb haben gezeigt, dass diese Menge ausreicht um im gesamten Anzuchtgewächshaus die Luftfeuchtigkeit konstant hoch zu halten. Ich musste auch beobachten, dass das Tongranulat auf den oberen Ebenen nur langsam abtrocknet und dadurch die Feuchtigkeit im den Töpfen immer sehr hoch bleibt. Manche Arten vertragen, wie ich feststellen musste, auf Dauer kein klatschnasses und daher auch dauerhaft kühleres Kulturmedium, andere gedeihen auch bei diesen Bedingungen sehr gut.
    Grundsätzlich bin ich dazu übergangen die Feuchtigkeit des Tongranulates auf den oberen Ebenen zu reduzieren und lediglich dann etwas Wasser nachzufüllen, wenn das Granulat und auch das Sphagnum in den Töpfen abgetrocknet erscheint. Zwischenzeitlich wird auf diesen Ebenen nur noch bedarfsweise alle 4 – 6 Wochen etwas Wasser nachgefüllt. So beobachte ich z. B. Jungpflanzen von Phal. bellina oder Phal. violacea immer sehr genau, da sie bei zu nassem und kühlem Substrat nicht gut wachsen.
    Sollte das Kulturmedium einmal zu feucht sein, kann man die Pflanzen ja nicht immer wieder erneut umpflanzen. Um sie weiterhin in demselben Topf kultivieren zu können, stelle ich einfach einen Untersetzer unter den entsprechenden Topf und habe somit vorübergehend eine Feuchtigkeitssperre, es kann also keine Feuchtigkeit mehr aus dem Granulat in das Sphagnum aufsteigen. Durch diese einfache Methode kann man leicht die Feuchtigkeit bei verschiedenen Pflanzenarten mit unterschiedlichen Kulturansprüchen in einer Schale beeinflussen. Sobald der Pflanzstoff im Topf dann soweit abgetrocknet ist, kann der Untersetzer wieder entfernt werden.

    Zu Beginn der Testphase hatte ich die Beleuchtung der einzelnen Ebenen täglich 8 Stunden in Betrieb, wobei die vier Leuchten so geschaltet waren, dass immer zwei überschneidend in Betrieb waren. Damit wollte ich auch verhindern, dass es nicht zu hohen Temperaturschwankungen kommt. Die Beleuchtungszeit habe nach und nach verlängert und seit nunmehr 10 Monaten sind die einzelnen Leuchten täglich jeweils 12 Stunden in Betrieb, wobei immer zwei Lampen gleichzeitig brennen. Rund um die Uhr sind somit immer zwei Leuchten aktiv, alle sechs Stunden wird eine Leuchte ausgeschaltet und eine andere dafür eingeschaltet.

    Mein Konstrukt eines Anzuchtgewächshauses läuft mittlerweile seit über einem Jahr. In dieser Zeit habe ich nie direkt gegossen, damit meine ich, dass kein Wasser direkt auf das Substrat in den Töpfen gegeben wurde. Die Feuchtigkeit steigt lediglich aus dem feuchten Tongranulat in den Schalen in das Substrat in den Töpfen. Gedüngt wurden die Pflanzen nicht. Die bisher erzielte positive Entwicklung der Pflanzen wurde somit lediglich durch die Optimierung der Kulturbedingungen erreicht.

    Ein Anzuchtgewächshaus, wie ich es nun betreibe, ist wahrlich kein Selbstläufer. Man muss unter diesen Bedingungen die Pflanzen noch genauer beobachten und ggf. auch schnell reagieren. Mögliche Schädlinge oder negative Veränderungen an den Pflanzen breiten sich unter den herrschenden Bedingungen deutlich schneller aus als bei einer Kultur auf der Fensterbank.
    Ich kontrolliere deshalb die Pflanzen in meinem Anzuchtgewächshaus mittlerweile regelmäßig zweimal in der Woche. Faulende ältere Blätter am Stamm werden z. B. sofort entfernt, da sonst die Fäulnis auch schon mal auf den gesunden Teil der Pflanze übergreifen kann. Auch muss man darauf achten, dass die Sämlinge nicht zu tief in dem feuchten Sphagnum sitzen, da dies auch zu Fäulnis führen kann. In den vergangenen Wochen habe ich auch vereinzelt kleine Gehäuseschnecken entdeckt und abgesammelt, die nach meinem Dafürhalten nur aus dem lebenden Sphagnum stammen können, das ich versuchsweise seit einigen Monaten für einige Pflanzen verendet habe.

    Um die Entwicklung der Pflanzen unter den neuen verbesserten Kulturbedingungen auch über einen längeren Zeitraum zu dokumentieren habe ich mir fest vorgenommen die Pflanzen in regelmäßigen Abständen in Bildern festzuhalten. Dabei ist es sehr hilfreich, dass ich die Töpfe in den Schalen stehen habe. Seit nunmehr einem Jahr dokumentiere ich die Entwicklung indem ich mindestens einmal monatlich Bilder der einzelnen Schalen mache.
    Vergleicht man dann einmal Bilder zwischen deren Aufnahmen mehrere Monate liegen, werden einem die Fortschritte so erst richtig bewusst.

    Sofern Interesse besteht, kann ich gerne in einer weiteren Fortsetzung einmal Vergleichsbilder zur Veranschaulichung der Entwicklung der Pflanzen einstellen.

    Da ich zu Beginn des Versuches noch genügend Platz in dem Foliengewächshaus hatte, stellte ich auch einige schwächelnde adulte Pflanzen dort hinein. An diesen Pflanzen konnte ich z. T. schon nach kurzer Zeit deutliche Erholungsanzeichen feststellen. Die schlaffen Blätter wurden wieder fest und es zeigten sich auch schon die ersten neuen Wurzeln. Auch die Etablierung von Importpflanzen kann darin deutlich einfacher erfolgen. Ich konnte bereits im Spätsommer einen Großteil der im Frühjahr erworbenen Importpflanzen auf die Fensterbank umstellen.

    Sicherlich habe ich mich mit dem zuletzt beschriebenen Anzuchtgewächshaus schon weit vom eigentlichen Thema diese Threads entfernt, doch es spiegelt die stetige und konsequente Weiterentwicklung meiner Sämlings- und Jungpflanzenkultur über einen Zeitraum von nunmehr annähernd 10 Jahren wider.

    Hier noch einige Bilder um das vorab Beschriebene zu veranschaulichen:

    Die unterste Etage mit Styroporplatte und der darauf liegenden Heizmatte. Das Bild stammt aus der Anfangsphase, als ich noch überwiegend Jungpflanzen in dem Foliengewächshaus stehen hatte. Das Tongranulat in den Schalen auf dem Bild ist hell und durch die Heizmatte vollständig durchgetrocknet.

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    Einige Bilder aus der Zeit nachdem die Testphase abgeschlossen war, also dem mittlerweile normalen Betrieb. Das Kondenswasser läuft innen an der Folie herunter in die Duschwanne.

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    So sieht das Ganze aktuell aus:

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    Sollte eine weitergehende Diskussion zu dem Geschriebenen erwünscht oder erforderlich sein, dann bitte in dem dafür eingerichteten Thread, damit die Beiträge zu diesem Thema beisammen bleiben und nicht in den Tiefen des Forums untergehen:

    http://www.forum.orchideen-forum.de...h-für-Fensterbänkler-Gedankenaustausch/page18
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 18. Februar 2012
Status des Themas:
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