Destiliertes Wasser und Dünger

Dieses Thema im Forum "Rund um die Pflege" wurde erstellt von Vandine, 1. Juni 2010.

  1. Vandine

    Vandine Guest

    Hallo Ihr Lieben,
    hier ein Zitat aus der Orchi-Datenbank:

    "Gleichmässige Düngung

    Eine weitere Möglichkeit, Orchideen mit Nährstoffen zu versorgen, ist die kontinuierliche Düngung. Dabei orientiert man sich an der Leitfähigkeit des Giesswassers, welches eine Orchidee auf Dauer gut verträgt, ohne das zwischendurch mit salzarmen Wasser gespült werden muss. Für die meisten Orchideen ist dies eine Leitfähigkeit von 200 µS/cm, bei sehr empfindlichen Orchideen kann sie auch darunter liegen. Das heisst, man verwendet destilliertes Wasser oder Wasser aus einer Osmoseanlage als Grundlage, fügt diesem sehr wenig Leitungswasser zu und tropft unter ständigem rühren gerade so viel Dünger hinzu, bis sich eine Leitfähigkeit von 200 µS/cm ergibt. Mit diesem Wasser kann man dann das ganze Jahr über giessen."


    Vielleicht praktiziert jemand dieses Verfahren. Ich wäre an einem Erfahrungsaustausch interessiert:

    Nun meine Fragen:

    Muß ich, wenn ich destiliertes Wasser verwenden möchte, unbedingt Leitungswasser hinzufügen oder kann ich das destilierte Wasser auch direkt auf 200µs aufdüngen? (Unser Leitungswasser hat schon 500µs und ist sehr hart, da schnellen die µs auch ohne Dünger schon in die Höhe)

    Wenn ich doch Leitungswasser hinzufügen muß, dann bis wieviel µs?

    Wenn ich doch mal alles salzarm durchspülen möchte, kann ich dafür destilliertes Wasser verwenden, oder sollte man es dennoch ganz minimal aufdüngen, so z.B. auf 50µs?

    Vanda und Phals pflege ich ganz normal mit unserem Regenwasser. Da dieses aber zwischen 50-100µs in der Qualität schwankt und oft auch nicht so sauber von dem großen Dach kommt, möchte ich eventuell für meine kleine empfindliche Miniatur-Orchie-Sammlung auf destiliertes Wasser umsteigen, bitte deshalb um Euren Rat.:yes:
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 1. Juni 2010
  2. Hendrik

    Hendrik Guest

    Erst mal vorneweg: Ich war bisher immer zu sparsam mit Dünger, habe mit Regenwasser gegossen und zwischendurch nach Gefühl gedüngt. Die beiden letzten Jahre hat mir regelmässig der Regen allen Dünger gleich wieder ausgewaschen, und entsprechend heruntergekommen sehen jetzt einige aus.

    Seit einigen Wochen nehme ich Regenwasser mit 1 ml Wuxal pro Liter, das müsste ein LW von 200 - 300 µS sein, hab aber noch kein Messgerät. Ich habe den Eindruck, dass es ihnen gut tut, aber mir ist klar, dass ich vor dem Herbst keine wirklichen Aussagen machen kann.

    Destilliertes Wasser ist auf die Dauer doch recht teuer, günstiger käme eine Osmoseanlage, die dein Leitungswasser auf einen konstanten, niedrigen LW bringt. Das ist dann eine sichere Basis.

    Dein Regenwasser wäre aber auch ok, würde ich sagen. Sooo sklavisch muss man das nicht sehen mit den Nullen hinten dran.

    Destilliertes Wasser pur würde ich niemals einer Pflanze antun. Um das zu begründen, muss ich bisschen weiter ausholen:

    Ich hatte mal einen Job, wo ich AAS-Analysen gemacht hab, und da geht es sehr sauber zu, sonst sind die Analysen zum Wegschmeißen. Hinterher mussten 150 Plastikpötte mit hochreinem Wasser gespült werden, und das tat ich ohne Handschuhe. Hernach stieg ich ins Auto und machte mich auf den Heimweg. Es dauerte dann zehn bis fünfzehn Minuten, bis meine Finger trocken blieben. Das Wasser war durch die Haut in die Zellen gedrungen und sickerte nun wieder raus. Wenn ich mir nun vorstelle, ich hätte statt einer halben Stunde Pötte spülen eine Stunde in einer Badewanne mit diesem Wasser gelegen, dann bin ich mir nicht sicher, ob ich noch leben würde.

    Mein Vorschlag: Versuchs diesen Sommer mit Regenwasser und etwas Dünger dabei, und zum Ausgleich für den etwas hohen LW des Regenwassers gibts alle vier Wochen mal Regenwasser pur.

    Ich denke, dass es auch bei genau 200 µS nicht schaden würde, wenn gelegentlich durchgespült wird.

    Der LW allein ist sowieso eine sinnlose Größe, denn er sagt nichts darüber aus, von welchen Ionen er verursacht wurde. Könnte auch nur Kochsalz sein. Oder nur Kalk. Beides wenig zuträglich für unsere Lieblinge. Und wenn der LW hundertmal stimmt!!

    Nur wenn der LW zumindest zu einem erheblichen Anteil durch einen anerkannt brauchbaren Dünger hervorgerufen wird (oder zufällig durch die richtigen Bestandteile), ist das auch ein Wasser, das die Pflanzen dauerhaft genießen können.

    Ach ja: Kräftig wachsende und große Pflanzen bekommen zwischendurch bei mir auch mal einen Guss mit 2 ml / L.

    lg Hendrik
     
  3. Araia

    Araia Guest

    Hallo, Vandine !

    Ich mache das genauso wie beschrieben und fahre gut damit.

    Die Zugabe von Leitungswasser ist empfohlen, weil dest. bzw Osmosewasser kein Calzium enthält und auch fast alle Orchideendünger auch kein Calcium haben (Ausnahmen sind wohl einige aus der Reihe Peters Excel). Dieses wird aber von den Pflanzen zum Wachstum benötigt.

    Ich nehme also Osmosewasser, füge 5% Leitungswasser zu und dünge dann auf 100 µS (für die empfindlichen Sorten) bzw. 200 µS auf. Damit wird dann gesprüht und gegossen. Bei Phals und Vandeen schadet es auch nicht, von Zeit zu Zeit mal mit höheren Werten (600µS) zu düngen.

    Bei so niedrigen Salzkonzentrationen ist es überhaupt nicht nötig, mit dest. Wasser o.ä. zu spühlen.

    LG
    Araia
     
  4. dam

    dam Guest

    Destilliertes Wasser enthält keinen Kalk, Dünger in der Regel auch nicht (sondern nur Stickstoff, Phosphor und Kalium). Kalk brauchen die Pflanzen aber, und er ist in Leitungswasser drin...

    C.
     
  5. emmi

    emmi Guest

    Ich verwende Wasser aus einer Distille und dünge es für die meisten Orchideen auf ca 100µS/cm, für die großen Vanillen und ein paar andere hungrige Exemplare verwende ich Dünger hochdosiert (habe keinen Messwert, schätze aber an die 1000µS/cm).
    Allerdings vergesse ich gelegentlich den Dünger und dann gibt es eine Wochen lang nur das destillierte Wasser.

    Du geht davon aus, dass Pflanzen aus tierischen Zellen bestehen. Das ist nicht der Fall. Pflanzen vertragen sehr wohl destilliertes Wasser, da sie mit dem osmotischen Druckausgleich (?) kein Problem haben. Hat irgendwas mit der Zellwand zu tun...

    ... wenn ich Ahriman richtig verstanden habe. :unsure:
     
  6. Jensli

    Jensli Guest

    Ich verwende destilliertes Wasser, das ich auf ca. 150-200ms aufdünge. Einen Schuß Leitungswasser wegen dem Kalzium gebe ich dem Ganzen auch noch hinzu. Ich fahre gut damit, meine Phals haben ein urwaldmäßiges Wurzelwachstum und auch braune Flecken auf den Wurzeln findet man bei mir nicht. Ich tauche nicht, sondern gieße und sprühe. Solange man keine Sammlung mit 500 Pflanzen zu gießen hat, ist dies ein praktikabler Weg, denke ich.
    By the way: Ich frage mich immer, ob denn die Verwender von Regenwasser dieses irgendwie filtern? Wenn ich bedenke, was sich da an Pilzsporen, Keimen, Industriestäuben, etc. auf einer Dachfläche so ablagert und ich diese Brühe über meine Pflanzen gießen würde - also nee....

    Im übrigen muss ich meiner Vorrednerin zustimmen: Natürlich darf man menschliche Hautzellen nicht mit Pflanzenzellen vergleichen! In beiden herrschen völlig unterschiedliche osmotische Drücke, bzw. Unterschiede in der Semipermabilität der Hautmembranen. Außerdem löst das dest. Wasser beim Auftreffen auf das Substrat sofort Salze, die es beim Versickern transportiert. Bevor es auf die unteren Wurzeln trifft, ist es also bereits kein reines Aqua dest. mehr. Etwas anders verhielte es sich, wenn man eine Pflanze ohne Substrat mit den Wurzeln für längere Zeit in pures Aqua dest. stellen würde. Aber dies hat ja wohl niemand ernsthaft vor...
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 2. Juni 2010
  7. Vandine

    Vandine Guest

    Hallo Ihr Lieben,
    dicksten Dank für Eure ausführlichen Antworten und Tipps :yes:.
    Es geht übrigens um diesen kleinen Microkosmos, da spielen die Kosten für das dest. Wasser keine so große Rolle:

    [​IMG]

    Hab jetzt destilliertes Wasser (~5µs) mit Leitungswasser bis auf ~30µs gepanscht (bei unserem Leitungwasser sind das ~8%) und dann bis ~100µs aufgedüngt.
    Mit dieser Mischung könnte ich also dauerhaft die kleinen Empfindlinge versorgen?
    Vielleicht gibt es noch mehr Orchi-Freunde, die erfolgreich mit destilliertem Wasser arbeiten?
     
  8. Hendrik

    Hendrik Guest

    Industriestaub gibt's bei mir eher nicht. Da wäre ich auch vorsichtig. Aber Steinpilze sind mir leider noch nie als 'Beipflanzung' begegnet :) Ich lass das RW durch nen Kaffeefilter laufen, aber nur wegen der größeren Partikel, die mir die Sprühdüse verstopfen:evil:
    Jo, da habt ihr natürlich recht.
    Auch wahr.

    Na Gott sei Dank!

    Asche auf mein Haupt:winke: Hab ich zu logisch gedacht.

    Zurück zum Thema: Die Methode wird wohl oft angewendet, von Misserfolgen habe ich hier noch nichts gelesen. Erscheint mir auch logisch (schon wieder! Hendrik, pass bloß auf!), in der Natur gibt es den Powerguss bei jedem 3. Regen auch nicht. Andererseits: Ein Vogelhäufchen auf der Wurzel sollte diese auch nicht gleich verbrennen. Bisschen was muss man also schon vertragen.
    Mit Entsetzten und Erstaunen las ich hier kürzlich von Cymbidienkultur in reinem, frischem Pferdemist (Welcher LW sich da wohl einstellt?). Vllt sehen wir das alles viel zu eng. Nur eins ist klar: Gar nichts (an Nährstoffen) ist definitiv zu wenig auf Dauer. Und wenn ein Wasser zufällig den günstigen Leitwert schon mitbringt, ist das noch lange nicht zwangsläufig ohne Aufdüngung brauchbar.

    Ich sehe diese Fixierung auf den LW, ohne dass man über die verursachenden Ionen Bescheid weiß, sehr kritisch. Nur Leitwerte gemessen in Lösungen definierten Inhaltes sind aussagefähig! Das kann man nicht oft genug wiederholen!

    lg Hendrik
     
  9. Araia

    Araia Guest

    Tierische Ausscheidungen und pflanzliche Reste haben nicht automatisch eine hohe Salzlast, die pflanzenverfügbaren Nährstoffe werden erst nach und nach bei der Zersetzung von Mikroben freigesetzt werden.

    LG
    Araia
     
  10. Hendrik

    Hendrik Guest

    Das von den Vögeln ist aber schon ein sehr scharfes Zeugs mit massenhaft leicht löslichen Stickstoffverbindungen. Auch Urin ist in der Hinsicht nicht von schlechten Eltern.

    lg Hendrik
     
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